Die kuriosesten Spirituosen der Welt – von Snake Wine bis Pulque

Die Welt der Spirituosen ist voller Überraschungen. Neben bekannten Klassikern wie Whisky, Rum oder Gin gibt es eine Vielzahl exotischer und ungewöhnlicher Destillate, die oft tief in regionalen Traditionen verwurzelt sind. Einige dieser Spirituosen faszinieren durch ihre Zutaten, andere durch aussergewöhnliche Herstellungsverfahren oder uralte Rituale. Hier schauen wir uns einige der kuriosesten Spirituosen der Welt vor – von fermentiertem Agaven-Saft bis hin zu Schnaps mit echten Schlangen.

In China, Vietnam und Thailand gehört Snake Wine zu den bekanntesten alkoholischen Kuriositäten. Das Getränk wird hergestellt, indem eine giftige Schlange in eine Flasche mit hochprozentigem Reiswein oder Reisschnaps eingelegt wird. Die Schlange gibt über die Zeit ihre Aromen an den Alkohol ab, wodurch eine würzige, leicht herbe Note entsteht. In vielen asiatischen Ländern glaubt man, dass Snake Wine heilende Kräfte besitzt und die Vitalität steigert. Manche Varianten enthalten neben der Schlange auch Skorpione oder verschiedene Heilkräuter. Besonders umstritten ist die Herstellung, da die Schlangen oft lebend in den Alkohol gegeben werden, wo sie durch den hohen Alkoholgehalt schnell sterben. Während die Vorstellung für viele abschreckend ist, gilt das Getränk in einigen Regionen als Delikatesse und wird gerne als Stärkungsmittel konsumiert.

In Mexiko ist Pulque eines der ältesten alkoholischen Getränke überhaupt und wurde bereits von den Azteken konsumiert. Hergestellt wird es aus dem fermentierten Saft der Agave, wodurch es eine dickflüssige, fast milchige Konsistenz erhält. Der Alkoholgehalt liegt meist zwischen vier und sechs Prozent. Pulque wurde in der präkolumbianischen Zeit als heiliges Getränk verehrt und war nur Priestern und Adligen vorbehalten. Sein leicht säuerlicher Geschmack erinnert an moderne fermentierte Getränke wie Kombucha. Nachdem Pulque lange Zeit als Getränk der Landbevölkerung galt und von industriell hergestelltem Bier verdrängt wurde, erlebt es heute eine Renaissance. In hippen Bars und traditionellen Pulquerías in Mexiko-Stadt wird das Getränk wiederentdeckt, oft mit Frucht- und Gewürzzusätzen für moderne Varianten.

Pulque gilt übrigens als Vorgänger des Tequilas. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, sieh dir diesen Beitrag an: Von den Azteken bis heute – die spannende Geschichte des Tequilas

In Peru, Bolivien und Ecuador gehört Chicha zu den ältesten Getränken der Region. Dieses Maisbier wird traditionell durch Fermentation gewonnen, wobei eine besondere Variante, Chicha de Muko, besonders auffällt. Bei dieser Methode wird der Mais vor dem Brauen gekaut, da die Enzyme im Speichel helfen, die Stärke in Zucker umzuwandeln und so den Gärprozess beschleunigen. Obwohl das heute nur noch in wenigen ländlichen Gegenden praktiziert wird, war es über Jahrhunderte hinweg eine gängige Technik. Chicha gibt es in verschiedenen Variationen, von süss bis sauer, und es wurde ursprünglich bei rituellen Zeremonien getrunken. Heute ist es vor allem ein Volksgetränk, das gerne auf Märkten oder in kleinen Lokalen angeboten wird.

In der Mongolei, Kasachstan und Kirgisistan gehört Kumis zu den traditionellen Getränken der Nomadenkulturen. Es wird aus fermentierter Stutenmilch gewonnen, da Pferdemilch mehr Zucker enthält als Kuhmilch und daher schneller gärt. Der Alkoholgehalt liegt bei etwa zwei bis drei Prozent, kann aber durch wiederholte Fermentation erhöht werden. In der Mongolei wird Kumis traditionell in Holzfässern gelagert, wodurch es eine leicht prickelnde und säuerliche Note erhält. Es gilt als gesundheitsfördernd und wird oft als stärkendes Getränk konsumiert. Während es für viele westliche Gaumen gewöhnungsbedürftig ist, hat es in Zentralasien eine lange Geschichte und wird bis heute regelmässig getrunken.

In Irland gilt Poitín als der Vorläufer des modernen Whiskeys. Dieses extrem starke Destillat wurde jahrhundertelang illegal hergestellt, da die britische Krone versuchte, es zu verbieten. Poitín wird traditionell aus Kartoffeln oder Getreide gebrannt und kann bis zu 90 Prozent Alkohol enthalten. Wegen seiner hohen Stärke wurde er oft mit Wasser oder Honig verdünnt. Heute gibt es einige legale Versionen mit moderatem Alkoholgehalt, doch Poitín bleibt eine Spirituose mit einem rauen, ursprünglichen Charakter.

Ob fermentierte Milch, Schlangenwein oder Speichel-vergorenes Bier – die Welt der Spirituosen hält einige Überraschungen bereit. Viele dieser Getränke haben tiefe kulturelle Wurzeln und spiegeln die Traditionen und Bräuche ihrer Herkunftsländer wider. Während einige dieser Spirituosen echte Delikatessen sind, bleiben andere eher Mutproben für experimentierfreudige Geniesser. Eines steht jedoch fest: Wer sich auf diese kuriosen Spirituosen einlässt, entdeckt die Welt der Getränke aus einer völlig neuen Perspektive.

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