Warum gealterter Rum meist günstiger ist als gereifter Whisky

Sowohl Rum als auch Whisky können über Jahre oder sogar Jahrzehnte in Fässern reifen und dabei komplexe Aromen entwickeln. Doch während alte Whiskys oft astronomische Preise erzielen, bleibt gereifter Rum vergleichsweise erschwinglich. Doch woran liegt das? Hier sind die wichtigsten Faktoren, die den Preisunterschied erklären.

Der Hauptrohstoff von Rum ist Zuckerrohr, entweder in Form von Melasse oder frischem Zuckerrohrsaft. Zuckerrohr wächst schnell und ist in vielen Teilen der Welt reichlich vorhanden, insbesondere in der Karibik und Südamerika. Im Gegensatz dazu basiert Whisky meist auf Getreide (Gerste, Mais, Roggen oder Weizen), dessen Anbau und Verarbeitung aufwendiger und teurer ist.

Ein entscheidender Faktor für den Preisunterschied ist das Klima. In tropischen Regionen, wo Rum oft produziert wird, reift die Spirituose aufgrund der hohen Temperaturen deutlich schneller als in Schottland oder Irland, wo Whisky traditionell hergestellt wird. Die Hitze beschleunigt die Interaktion zwischen Flüssigkeit und Holz, was zu einer intensiveren Aromenausprägung in kürzerer Zeit führt.

In der Karibik kann Rum jährlich bis zu 10 % seines Volumens durch Verdunstung verlieren – den sogenannten „Angel’s Share„. Das bedeutet, dass ein 10 Jahre gereifter Rum geschmacklich oft mit einem 20 Jahre alten Whisky vergleichbar sein kann. In kühleren Regionen ist die Verdunstung geringer, aber die Reifung erfolgt langsamer und gleichmäßiger, wodurch sich tiefere, vielschichtige Aromen entwickeln. Dies trägt dazu bei, dass lange gereifte Whiskys oft komplexer, seltener und dadurch teurer sind.

Die Art, wie das Alter eines Destillats angegeben wird, unterscheidet sich zwischen Whisky und Rum erheblich. Bei Whisky gibt die Altersangabe immer das jüngste enthaltene Destillat an. Ein 12 Jahre alter Whisky enthält also nur Flüssigkeiten, die mindestens 12 Jahre im Fass gereift sind. Bei Rum hingegen sind die Vorschriften weniger einheitlich. Einige Hersteller geben das Alter des ältesten enthaltenen Rums an, während andere ein Solera-Verfahren verwenden, bei dem verschiedene Jahrgänge gemischt werden. Dadurch kann das tatsächliche Alter der enthaltenen Spirituosen variieren, was es für Konsumenten schwieriger macht, das exakte Reifealter eines Rums zu bestimmen.

Whisky hat über Jahrhunderte hinweg einen Ruf als exklusive und luxuriöse Spirituose aufgebaut. Besonders Single Malts aus Schottland oder seltene Bourbons erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Sammler treiben die Preise weiter in die Höhe, da alte Whiskys als wertvolle Anlageobjekte gelten.

Rum hingegen hatte lange Zeit nicht denselben Prestige-Status. Er wurde historisch eher als Seefahrer- oder Arbeitergetränk betrachtet. Erst in den letzten Jahren hat sich der Markt für Premium-Rum entwickelt – doch er bleibt insgesamt weniger spekulativ als der Whiskymarkt.

Obwohl gereifter Rum oft dieselbe Aromenvielfalt wie alter Whisky bietet, bleibt er günstiger. Das liegt an den schnelleren Reifeprozessen, den geringeren Produktionskosten und dem insgesamt weniger spekulativen Markt. Ein weiterer Faktor ist die Massenproduktion: Statistisch gesehen wird Rum in deutlich grösseren Mengen produziert als Whisky, was den Preis pro Flasche senkt. Zudem gibt es viele erschwingliche Marken, die gezielt auf ein breites Publikum setzen. Für Geniesser bedeutet das eine gute Nachricht: Wer nach einer hochwertigen, gereiften Spirituose sucht, bekommt beim Rum oft mehr für sein Geld.

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