Die clevere Strategie hinter Red Label: 30 Whiskys in einem Blend

Blended Scotch Whiskys wie Johnnie Walker Red Label oder Ballantine’s Finest bestehen aus Dutzenden verschiedener Whiskys – Red Label enthält bis zu 30 verschiedene und Ballantine’s sogar über 40. Doch warum verwenden grosse Marken so viele verschiedene Destillate für ihre günstigen Blends? Wäre es nicht kosteneffizienter, weniger zu mischen? Tatsächlich steckt dahinter eine clevere Strategie, die den Geschmack, die Produktion und den Preis beeinflusst.

Blended Whiskys gehören zu den meistverkauften Spirituosen der Welt – allen voran Johnnie Walker Red Label, der als erfolgreichster Blended Scotch Whisky gilt. Damit jede Flasche überall auf der Welt gleich schmeckt, müssen Master Blender eine stabile Mischung aus vielen Whiskys kreieren.

Jeder Whisky reift in Fässern und verändert sich mit der Zeit, abhängig von Klima, Holz und Lagerbedingungen. Wenn ein Blend nur aus wenigen Komponenten bestünde, könnten sich Geschmacksschwankungen zwischen verschiedenen Abfüllungen ergeben. Durch eine breite Auswahl an Whiskys können Produzenten kleine Variationen ausgleichen und sicherstellen, dass der Whisky immer gleich schmeckt – egal ob du ihn heute oder in fünf Jahren kaufst.

Grosse Marken wie Ballantine’s oder Johnnie Walker produzieren gigantische Mengen Whisky, die weltweit verkauft werden. Nicht jede Destillerie kann jedoch jederzeit die gleiche Menge liefern.

Stellen wir uns mal vor, eine bestimmte Brennerei liefert aus klimatischen oder logistischen Gründen plötzlich weniger Whisky – das würde den Blend stark beeinflussen, wenn er nur aus wenigen Bestandteilen besteht. Durch die breite Mischung kann das Unternehmen jedoch immer alternative Whiskys einbauen, ohne dass der Kunde einen Unterschied schmeckt.

Obwohl günstige Blended Whiskys primär auf Masse produziert werden, sollen sie dennoch harmonisch und vielschichtig schmecken. Durch die Mischung von Whiskys aus verschiedenen Regionen entsteht ein geschmeidiges, leicht zugängliches Geschmacksprofil.

Speyside-Whiskys bringen süsse, fruchtige Noten.

Islay-Whiskys liefern leichte Rauchnoten, wenn auch nur dezent.

Highland- und Lowland-Whiskys sorgen für würzige und florale Nuancen.

Würde man nur wenige Whiskys mischen, könnte das Aroma flacher wirken. Die grosse Anzahl an Destillaten ermöglicht eine konsistente, aber dennoch facettenreiche Mischung, die Millionen von Menschen anspricht.

Durch die Vielfalt an verwendeten Whiskys haben Hersteller wie Diageo (Johnnie Walker) oder Pernod Ricard (Ballantine’s) eine enorme Flexibilität in der Kostenkalkulation.

Wenn eine bestimmte Destillerie die Preise erhöht oder weniger produziert, kann das Unternehmen problemlos andere Whiskys in den Blend aufnehmen, die gerade günstiger verfügbar sind. Dadurch bleibt die Herstellung von Red Label kosteneffizient – und das Produkt bleibt trotz weltweiter Nachfrage vergleichsweise günstig.

Die hohe Anzahl an Whiskys in günstigen Blends ist kein Luxus, sondern eine wirtschaftlich sinnvolle Strategie. Sie ermöglicht gleichbleibenden Geschmack, konstante Verfügbarkeit und eine kosteneffiziente Produktion.

Red Label und Ballantine’s sind nicht teuer, aber dennoch raffiniert zusammengestellt, um sowohl Konsistenz als auch ein angenehmes, leicht zugängliches Geschmacksprofil zu bieten. Weniger Whiskys könnten theoretisch genügen, würden aber die Produktionskosten riskanter machen und stärkere Geschmacksabweichungen zwischen den Chargen mit sich bringen.

So gesehen ist die Vielzahl an Destillaten in günstigen Blended Whiskys ein cleveres System, das Konsistenz und Wirtschaftlichkeit vereint – einer der Gründe, weshalb Johnnie Walker Red Label oder Ballantine’s Finest zu den erfolgreichsten Whiskys der Welt gehören.

Zusatzfakt: Blended Whisky kann aus verschiedenen Ländern stammen, doch Blended Scotch Whisky darf sich nur so nennen, wenn alle enthaltenen Whiskys aus Schottland kommen, dort mindestens drei Jahre gereift sind und die Produktion den strengen Scotch-Regeln entspricht.

Siehe auch: Was genau ist ein Scotch?

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