Rum ist heute eine der beliebtesten Spirituosen in Cocktails oder auch mal pur auf Eis. Doch im 17. und 18. Jahrhundert hatte er weit mehr als nur einen Platz in der Hausbar – Rum war in der Karibik und an Bord vieler Schiffe buchstäblich eine Währung. Besonders in der Piratenzeit spielte der hochprozentige Zuckerrohrbrand eine zentrale Rolle im täglichen Leben, im Handel – und im Machtgefüge auf See.
Ein Getränk mit Geschichte
Rum wurde ursprünglich als Nebenprodukt der Zuckerherstellung entdeckt. Auf den Plantagen in der Karibik fiel bei der Zuckergewinnung aus Zuckerrohr jede Menge Melasse an – eine zähflüssige, süsse Masse, die sich nicht mehr zu Zucker weiterverarbeiten liess. Sklaven begannen, diese Melasse zu fermentieren, um daraus Alkohol zu gewinnen. Bald entdeckten auch europäische Kolonialherren und Seeleute den Wert dieser einfachen, aber wirkungsvollen Spirituose.
Die Karibik wurde schnell zum Zentrum der Rumproduktion – und zur Hochburg des Schmuggels, der Piraterie und des kolonialen Handels.
Rum auf hoher See – tägliche Ration und Zahlungsmittel
Schon früh wurde Rum zur täglichen Ration für Seeleute – nicht nur bei Piraten, sondern auch in der Royal Navy. Die britische Marine verteilte jahrhundertelang täglich eine Rumration an ihre Matrosen, auch bekannt als die „tot“. Mit Wasser verdünnt wurde sie als „Grog“ ausgeschenkt, um Disziplin, Moral – und das Trinkverhalten – zu kontrollieren.
Doch bei Piraten war Rum mehr als nur ein Getränk: Er war Zahlungsmittel, Tauschgut und Belohnungssystem zugleich. Offiziell wurden Piraten selten bezahlt. Stattdessen teilte man Beute auf – und Rum war ein gern gesehener Bestandteil dieser Aufteilungen. Auch bei Auseinandersetzungen oder als Strafe konnte Rum eine Rolle spielen: Wer sich bewährte, bekam mehr. Wer sich danebenbenahm, bekam… auch mehr – allerdings unfreiwillig, bis zur völligen Enthemmung.
Handelsgut und Schwarzwährung
An Land hatte Rum in den Kolonien ebenfalls eine starke wirtschaftliche Bedeutung. In einigen Gegenden der Karibik und Nordamerikas wurde er wie Geld verwendet – zum Bezahlen von Waren, Arbeitskräften oder sogar als Bestechungsmittel.
Rum war leicht zu transportieren, hatte einen hohen Tauschwert und war immer gefragt. Besonders in entlegenen Gebieten ohne stabile Währungsinfrastruktur wurde Rum zu einem „harten“ Zahlungsmittel – für Kleidung, Werkzeuge, Lebensmittel oder sogar für ärztliche Behandlungen.
In der sogenannten Rum-Ökonomie waren Rum, Zucker und Sklaven eng miteinander verflochten. In einem berüchtigten Dreieckshandel schickten europäische Mächte Waffen und Stoffe nach Afrika, holten sich Sklaven, brachten diese in die Karibik, wo sie auf Plantagen arbeiteten, und verschifften den dort produzierten Rum nach Europa – oder in die nordamerikanischen Kolonien.
Rum und Piraten – Mythos oder Realität?
Nicht jeder Pirat trank ständig Rum – aber das Bild vom Rum-schlürfenden Freibeuter hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Viele Piraten bevorzugten tatsächlich Rum, da er billig, stark und überall verfügbar war.
Auch in der Piratenhierarchie spielte Rum eine Rolle: Kapitäne nutzten ihn, um Loyalität zu belohnen oder Meutereien zu verhindern. Manche Schiffe führten sogar Regeln darüber, wann und wie viel Rum getrunken werden durfte – nicht aus gesundheitlicher Sorge, sondern aus taktischer Überlegung. Denn ein betrunkener Pirat war ein schlechter Kämpfer.
Fazit: Ein flüssiges Erbe
Der Rum von damals war deutlich rauer, stärker und weniger veredelt als die heutigen Sorten. Doch seine Rolle als Tauschmittel und Alltagsbegleiter prägte ganze Generationen.
Bis heute ist Rum ein Symbol für das wilde Leben auf See – und für eine Zeit, in der Alkohol mehr war als nur Genuss: Er war Macht, Kontrolle und Währung zugleich.
Viele moderne Rums greifen die Symbolik der Piratenzeit bewusst auf: Totenköpfe auf dem Etikett, Schatzkarten im Design oder Namen, die direkt an Freibeuter erinnern, sind keine Seltenheit. Marken wie Pirate’s Grog, Captain Morgan oder Dead Man’s Fingers spielen ganz offen mit dem Image der Rum-freudigen Seeräuber. Sie inszenieren sich als Hommage an die raue, wilde Vergangenheit – mit einem Augenzwinkern und teils überraschend hochwertigem Inhalt.
Diese Anspielungen sind längst kein reiner Marketing-Gag mehr, sondern Teil einer Rumkultur, die stolz auf ihre Geschichte blickt – von der Karibik bis in unsere Gläser.
Und wer heute beim Anblick eines alten Rumfasses an goldene Zeiten und Freibeuterromantik denkt, hat vielleicht nicht ganz unrecht – denn kaum eine andere Spirituose ist so eng mit Geschichte und Legende verwoben wie der Rum.
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