Spirituosen mit echtem Gold – nur Show oder echter Luxus?

Gold steht seit jeher für Reichtum, Macht und Unvergänglichkeit. Kein Wunder also, dass einige Hersteller von Spirituosen auf den Glanz des Edelmetalls setzen, um ihre Produkte aufzuwerten – wortwörtlich. Ob goldene Flakes im Likör oder vergoldete Flaschen in limitierter Edition: Die Kombination von Gold und Alkohol sorgt für Aufsehen. Doch ist das wirklich Luxus – oder nur gut verpackte Show?

Besonders bekannt ist der Einsatz von Blattgold in bestimmten Likören – allen voran im „Goldschläger“, einem Zimtlikör mit sichtbaren Goldflocken. Auch andere Marken wie Danzka oder Goldwasser setzen auf diese auffällige Zutat. Der Effekt ist eindeutig: Sobald sich die Flasche bewegt, tanzen die goldenen Flocken durch die Flüssigkeit – ein visueller Wow-Moment.

Doch geschmacklich hat das Edelmetall keinen Einfluss. Gold ist geschmacksneutral, reagiert nicht mit Alkohol und verändert auch den Geruch nicht. Es ist also ein reines visuelles Element – ein Kunstgriff, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Exklusivität zu suggerieren.

Ja – zumindest in den meisten Fällen. Verwendet wird in der Regel essbares Blattgold mit einem Reinheitsgrad von 22 bis 24 Karat. Dieses ist gesundheitlich unbedenklich und wird auch in der gehobenen Gastronomie, etwa für Pralinen oder Desserts, verwendet. Da Gold vom Körper nicht aufgenommen wird, sondern einfach wieder ausgeschieden wird, ist der Effekt rein ästhetisch.

Die Meinungen gehen auseinander. Manche empfinden Spirituosen mit Gold als übertrieben oder kitschig – eine Show ohne Substanz. Andere sehen darin ein stilvolles Detail, das zu besonderen Anlässen passt. Klar ist: In den allermeisten Fällen spiegelt der Einsatz von Gold nicht automatisch eine höhere Produktqualität wider. Vielmehr geht es um Inszenierung, um Emotionen, um ein besonderes Erlebnis im Glas.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Einige Hersteller kombinieren hochwertigsten Alkohol mit aufwändigen Flaschendesigns, in denen Gold nur ein Element unter vielen ist – eingebettet in Handarbeit, Kristallglas oder Sammlereditionen. In solchen Fällen ist der Preis oft gerechtfertigt, weil nicht nur die Optik, sondern auch der Inhalt überzeugt.

Goldschläger: Zimtlikör mit 24-karätigem Blattgold – in den 90ern ein echter Partyhit, heute ein Kultklassiker. Ursprünglich in der Schweiz entwickelt, beeindruckte der Likör mit seiner auffälligen Optik und dem würzig-süssen Geschmack. Die sichtbaren Goldflocken machten ihn schnell zum Hingucker in Bars und Clubs. Inzwischen wird Goldschläger nicht mehr in der Schweiz produziert – die Herstellung wurde nach Montreal in Kanada verlagert.

Goldschläger
Goldschläger bedeutet wörtlich „Goldschläger“ – eine Anspielung auf das Handwerk, Blattgold herzustellen.

Goldwasser (Danzig): Ein traditioneller Kräuterlikör mit echten Goldflocken – und einer Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich in der Hansestadt Danzig (heute Gdańsk) kreiert, galt er lange als Symbol für Wohlstand und wurde auch an europäischen Fürstenhöfen geschätzt. Die Rezeptur kombiniert edle Kräuter mit dem Glanz von Blattgold und wird bis heute in verschiedenen Varianten produziert – eine Verbindung aus Historie, Handwerkskunst und Prestige.

Goldwasser
Goldwasser war einer der ersten bekannten Liköre mit Blattgold – und wurde sogar von Zar Peter dem Grossen persönlich geschätzt.

Luxus-Wodkas wie Billionaire Vodka oder Royal Dragon Imperial setzen neue Massstäbe in Sachen Inszenierung. Die Flaschen sind teils vergoldet, mit echten Diamanten besetzt und werden in streng limitierten Auflagen angeboten. Beim Billionaire Vodka etwa ist nicht nur der Inhalt exklusiv – auch die Präsentation: Die Flasche kommt in einer Samtschachtel, garniert mit funkelnden Steinen, und kostet bis zu 3 Millionen Dollar. Royal Dragon Imperial Vodka wiederum kombiniert russischen Wodka mit asiatischer Ästhetik – inklusive 23-karätiger Goldflocken im Destillat. Hier steht nicht nur der Geschmack, sondern vor allem der Status im Mittelpunkt. Ein Statement für jene, denen gewöhnlich nicht genügt.

​Royal Dragon Imperial Vodka wird in kleinen Chargen aus bestem Winterroggen hergestellt und fünffach destilliert. Sein Markenzeichen sind die 23-karätigen Goldflocken aus der Schweiz, die dem Wodka eine luxuriöse Note verleihen.

Studer Swiss Gold GIN: Ein gelungenes Beispiel aus der Schweiz ist der Studer Swiss Gold GIN mit echtem Goldflitter, 24 Karat, 70cl. Der Gin kombiniert stilvolles Design mit feiner Handwerkskunst und setzt Goldflocken bewusst als dekoratives Extra ein – nicht übertrieben, sondern geschmackvoll. Dabei bleibt der Preis fair, was ihn zu einer beliebten Wahl als Geschenk macht – ohne in den Bereich überteuerter Showprodukte abzudriften.

 Studer Swiss Gold GIN mit echtem Goldflitter, 24 Karat, 70cl
Im Innern der Flasche thront eine detailgetreue Nachbildung des Matterhorns – ein echter Blickfang mit Heimatbezug.

Wer ein echtes Premium-Erlebnis sucht, sollte nicht nur auf die glänzenden Goldflocken im Glas achten, sondern auf das, was dahintersteht: die Herkunft der Spirituose, die Sorgfalt in der Herstellung, die Auswahl der Zutaten und das handwerkliche Können der Brennerei. Denn echtes Luxusgefühl entsteht nicht allein durch Optik, sondern durch die Kombination aus innerem und äußerem Anspruch. Wenn Qualität, Geschmack, Design und Präsentation harmonisch ineinandergreifen, wird der Genuss nicht nur optisch golden, sondern auch geschmacklich unvergesslich – ganz unabhängig vom Karatwert des Edelmetalls. Gold kann ein schönes Detail sein, aber der wahre Wert liegt im Gesamterlebnis.

Funfact: Ein Gramm essbares Blattgold kostet rund 50 Franken (Stand März 2025) – genug für Hunderte funkelnde Drinks. In einer Flasche mit Goldflocken befinden sich durchschnittlich 15 bis 30 Milligramm – also Materialwert unter 2 Euro. Der wahre Wert liegt also im Erlebnis, nicht im Edelmetall.

Siehe auch: Gin-Mythen aufgedeckt: Ist teurer wirklich besser?

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