Frankreich ist bekannt für seine edlen Weinbrände, doch während Cognac weltweit als Synonym für Luxus gilt, bleibt Armagnac oft ein Geheimtipp für Kenner. Beide Spirituosen werden aus Wein destilliert, reifen in Eichenfässern und haben eine lange Tradition – doch die Unterschiede sind bemerkenswert.
Herkunft und Regionen
Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, sowohl Cognac als auch Armagnac sind Brandys (Weinbrände), doch nicht jeder Brandy darf sich Cognac oder Armagnac nennen, da diese geschützte Herkunftsbezeichnungen mit strengen Vorschriften für Produktion und Reifung haben.
Cognac wird in der gleichnamigen Stadt und ihrer Umgebung im Westen Frankreichs produziert, vor allem in den sechs festgelegten Anbaugebieten: Grande Champagne, Petite Champagne, Borderies, Fins Bois, Bons Bois und Bois Ordinaires.
Armagnac hingegen kommt aus der Gascogne im Südwesten Frankreichs, wo er in drei offiziellen Regionen hergestellt wird: Bas-Armagnac, Haut-Armagnac und Armagnac-Ténarèze.
Destillationsverfahren
Einer der grössten Unterschiede liegt in der Destillation. Cognac wird in doppelter Destillation in traditionellen Kupferbrennblasen (Charentaiser Brennblasen) hergestellt. Dies führt zu einem weicheren, leichteren Destillat mit feinen Aromen.
Armagnac hingegen wird in einem einfachen Destillationsverfahren in speziellen Säulenbrennblasen (Alambic Armagnacais) produziert. Diese Methode ergibt ein kräftigeres, aromatisch komplexeres Destillat mit intensiveren Geschmacksnoten.
Reifung und Fasslagerung
Beide Spirituosen reifen in Eichenfässern, doch auch hier gibt es Unterschiede. Cognac reift in französischer Limousin- oder Tronçais-Eiche, die dem Brand eine elegante Vanille- und Würznote verleiht. Armagnac wird oft in schwarzen Gascogner Eichenfässern gelagert, die für kräftigere, würzigere und teils rauchigere Aromen sorgen.
Die Altersbezeichnungen sind ähnlich:
- VS (Very Special): Mindestens 2 Jahre gereift
- VSOP (Very Superior Old Pale): Mindestens 4 Jahre gereift
- XO (Extra Old): Mindestens 10 Jahre gereift
Armagnac hat jedoch oft ältere Jahrgangsabfüllungen, da Produzenten seltener Blends kreieren und lieber einzelne, lang gereifte Jahrgänge auf den Markt bringen.
Geschmack und Charakter
Cognac gilt als eleganter, samtiger und oft blumiger mit Noten von Vanille, Honig, Trockenfrüchten und Gewürzen. Die doppelte Destillation sorgt für einen feinen, weichen Charakter.
Armagnac hingegen ist rustikaler, kräftiger und komplexer mit intensiven Aromen von Trockenfrüchten, Leder, Tabak und dunkler Schokolade. Die einfachere Destillation bewahrt mehr natürliche Frucht- und Gewürznoten.
Preis und Verfügbarkeit
Cognac dominiert den Weltmarkt und ist in nahezu jeder Bar oder jedem Spirituosenfachgeschäft zu finden. Die grossen Marken wie Hennessy, Rémy Martin oder Martell exportieren Millionen von Flaschen jährlich. Armagnac hingegen ist ein Nischenprodukt, das in kleineren Mengen produziert wird und seltener im Handel zu finden ist.
Gut zu wissen: Während Cognac durch grosse Marketingbudgets oft hochpreisiger ist, kann man bei Armagnac für denselben Preis oft ältere, hochwertigere Abfüllungen erhalten.
Fazit
Cognac und Armagnac haben beide ihre Stärken. Cognac überzeugt mit Eleganz und Raffinesse, während Armagnac mit seiner Intensität und Ursprünglichkeit punktet. Wer einen sanften, ausgewogenen Brandy bevorzugt, greift zu Cognac. Wer tiefere, kräftigere Aromen sucht, sollte Armagnac probieren – vielleicht findet sich hier sogar ein unterschätzter Geheimtipp.
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Ein Gedanke zu “Cognac vs. Armagnac – wo liegt der Unterschied?”