Gin-Mythen aufgedeckt: Ist teurer wirklich besser?

Gin gilt als stilvolle, vielseitige Spirituose mit einer stetig wachsenden Fangemeinde. Doch mit steigender Beliebtheit wächst auch das Angebot – und vor allem die Preisspanne. Zwischen Discounter-Gin und handgefertigtem Small Batch Gin liegen nicht nur viele Euro, sondern auch viele Versprechen. Aber ist teurer Gin wirklich besser? Oder zahlt man nur für Image, Design und Marketing? Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen – und klarer zu sehen, worauf es wirklich ankommt.

Ein hoher Preis suggeriert oft automatisch Hochwertigkeit – das gilt für Uhren, Autos und eben auch für Gin. Doch beim Gin ist das nur bedingt richtig. Zwar verwenden viele Premium-Hersteller hochwertige Botanicals, aufwendige Verfahren und exzellente Destillationsmethoden – doch das bedeutet nicht, dass jeder teure Gin automatisch besser schmeckt oder „hochwertiger“ ist.

Was viele nicht wissen: Auch günstige Gins können qualitativ sehr ordentlich sein, vor allem wenn sie klar, wacholderbetont und sauber gebrannt sind. Und manche teuren Gins rechtfertigen ihren Preis eher durch Design, Flasche und Marketing – als durch echte Handwerkskunst im Destillierkessel.

Manche Hersteller werben mit 20, 30 oder sogar 47 Botanicals – und suggerieren damit besondere Komplexität. Doch mehr ist nicht immer mehr. Ein gut komponierter Gin braucht Balance, nicht Überladung. Einige der besten Gins der Welt kommen mit nur drei bis fünf Zutaten aus – dafür perfekt aufeinander abgestimmt.

Viele kleine Destillerien konzentrieren sich auf wenige, regional ausgewählte Botanicals, die ein klares, definiertes Geschmacksprofil liefern. Denn letztlich zählt nicht die Anzahl, sondern die Harmonie im Glas.

PS: Die Bemerkung zu den vielen Botanicals ist natürlich kein Seitenhieb – Gins wie der Monkey 47 (hat 47 Botanicals) aus dem Schwarzwald zeigen eindrucksvoll, dass auch ein komplexes Rezept hervorragend funktionieren kann, wenn es meisterhaft abgestimmt ist.

Viele glauben, ein teurer Gin müsse auch pur hervorragend schmecken – doch das ist nicht zwingend so. Gin ist in erster Linie eine Mixspirituose, und viele Gins sind dafür gemacht, im Tonic oder in Cocktails ihre Aromen zu entfalten. Ein pur getrunkener Gin kann aromatisch spannend, aber auch fordernd sein – besonders, wenn er stark wacholderlastig, würzig oder zitrusbetont ist.

Ein günstigerer, sauber destillierter Gin kann im Gin & Tonic sogar besser harmonieren als ein überkomplexer Premium-Gin – einfach, weil er klarer, frischer und ausgewogener wirkt.

Der Begriff „handcrafted“ oder „Small Batch“ klingt gut – doch sagt er wenig über die tatsächliche Qualität aus. Viele „handgefertigte“ Gins werden in mittelgrossen Betrieben unter professionellen Bedingungen hergestellt, was nicht verwerflich ist. Doch auch grosse Brennereien können konstant hohe Qualität liefern, weil sie über präzise Kontrollsysteme, erfahrene Brennmeister und moderne Anlagen verfügen.

Was zählt, ist nicht der romantische Begriff auf dem Etikett, sondern das, was am Ende im Glas landet.

Design spielt beim Kaufverhalten eine grosse Rolle – auch beim Gin. Eine schwere Glasflasche, ein aufwendiges Etikett, ein kunstvoller Verschluss: All das signalisiert „Premium“. Doch genau hier wird oft kalkuliert – denn das Auge kauft mit. Und bei einigen Marken geht ein beträchtlicher Teil des Preises tatsächlich ins Verpackungsdesign, nicht in die Herstellung des Gins.

Das bedeutet nicht, dass Design schlecht ist – doch wer wirklich wissen will, ob sich ein Gin lohnt, sollte über das Etikett hinausschauen.

Wenn du einen hochwertigen Gin suchst, dann achte auf:

  • Klarheit & Balance: Egal ob wacholderbetont, zitrusfrisch oder kräuterwürzig – ein guter Gin wirkt nicht überladen.
  • Transparenz: Gute Hersteller sprechen offen über ihre Zutaten, Herkunft und Verfahren.
  • Einsatzbereich: Willst du ihn pur trinken, für Cocktails verwenden oder für Gin & Tonic? Nicht jeder Gin passt zu allem.
  • Dein Geschmack: Der wichtigste Punkt. Am Ende entscheidet nicht der Preis, sondern ob dir der Gin schmeckt – und ob er zu deinem Stil passt.

Der Preis eines Gins hängt von vielen Faktoren ab: Herstellungsmenge, Zutaten, Destillation, Verpackung, Marketing – und oft auch einfach vom Image. Es gibt teure Gins, die jeden Cent wert sind, und günstige, die erstaunlich viel bieten.

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